Chronik

Die Chronik unseres SPD-Ortsvereins Arzberg

Die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert brachte eine neue gesellschaftliche Schicht hervor, die Industriearbeiter. Schon 1848 bildeten sich Arbeitervereine. Im Namen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit forderten sie eine Verbesserung ihrer unerträglichen Arbeits- und Lebensbedingungen. Aus der Vereinigung dieser Vereine erwuchs die Sozialdemokratische Partei. Ihr Anwachsen beunruhigte die Herrschenden. Mit dem Sozialistengesetz von 1878 versuchten sie, die Verbreitung der sozialdemokratischen Ideen zu unterdrücken. Ungeachtet dessen wuchs die Partei weiter. 1890, nach Aufhebung des Sozialistengesetzes, konnte die SPD im Deutschen Reich 20% der Wählerstimmen erringen, 1903 bereits 30%. Damit wurde sie zur stärksten Partei. In dieser Zeit wurde der SPD-Ortsverein Arzberg gegründet.

Die Geschichte unseres SPD-Ortsvereins ist eng verknüpft mit der Geschichte der Stadt Arzberg, deren Entwicklung er über lange Zeiten maßgeblich mitbestimmt hat. Bedingt durch Kriegszeiten und die nationalsozialistische Herrschaft, kamen die Aktivitäten des Ortsvereins zeitweilig zum Erliegen. Immer aber fanden sich Menschen, die den Mut hatten, neu anzufangen im Wunsch, ihre Vorstellungen von Freiheit und sozialer Gerechtigkeit in praktisches Handeln umzusetzen. Wiederholt wurden sie mit Situationen konfrontiert, auf deren Ursachen sie keinen Einfluss hatten. Stetig mussten sie ihre Vorstellungen den sich wandelnden Gegebenheiten anpassen, ohne ihre Überzeugung aufzugeben. So ist es bis heute.

Festzug zum 100. Jubiläum unseres SPD-Ortsvereins Arzberg am 6. Juli 2007.

 

DIE GESCHICHTE DER SOZIALDEMOKRATIE IN ARZBERG

 

1906


Unser Ortsverein wurde im Dezember 1906 gegründet. Es gab aber schon längere Zeit vorher Arbeiterorganisationen in Arzberg. Um die Jahrhundertwende entstanden in unserer Fichtelgebirgsheimat in einigen Orten die ersten Ortsvereine der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Die Sozialdemokraten unserer Stadt gründeten damals keine Sektion, sondern schlossen sich der Parteigliederung in Wunsiedel an, die der Parteiorganisation des Wahlkreises Bayreuth unterstand. Der erste Versuch einer Parteigründung im Jahre 1905 führte zu keinem dauerhaften Erfolg. Im Dezember 1906 entschloss man sich schließlich in unserem Ort, einen Ortsverein aus der Taufe zu heben. Erster Vorsitzender wurde Johann Heuschneider, der aber bald diese Funktion nicht mehr ausüben konnte, weil er wegen seines Eintretens für die Belange der SPD seinen Arbeitsplatz verlor. So übernahm Johann Wächter den Vereinsvorsitz. Ihm stand als 2. Vorsitzender Hans Münchmeier zur Seite. Nach Johann Wächter bekleidete Eduard Schürer das Amt des Vorsitzenden. Bei der Gründung umfasste der Ortsverein 20 Parteimitglieder. Vor dem Ersten Weltkrieg ließen sich vor allem Gesinnungsfreunde, die aus Thüringen, Sachsen und dem Sudetenland nach Arzberg gekommen waren, meist waren es Porzelliner, in die Partei aufnehmen.

 

1912


Bei der Reichstagswahl 1912 erhielt unsere Partei in Arzberg und Umgebung 715 Stimmen, gegenüber 621 der Liberalen und des Bundes der Landwirte. Hierzu sei erwähnt, dass Frauen noch nicht wählen durften. Die Ortsvereinsmitglieder sahen ihre Hauptaufgabe in der „Agitation“ – in den Wahlvorbereitungen, dem Flugblatt-Verteilen und dem Einreichen von Gesuchen und Beschwerden bei Behörden. Auch auf dem Gebiet des Fürsorgewesens und der freiwilligen Sozialhilfe waren diese Leute tätig. Es war damals nicht ungefährlich, für den demokratischen Sozialismus zu werben. Doch unsere „Alten“ kämpften mit friedlichen Parolen. Sie waren aber in den Kreisen, in denen man die Ruhe als die erste Bürgerpflicht forderte, gefürchtete Revolutionäre. Man bezeichnete die organisierten Arbeiter als „rotes Pack“. In den Dörfern jagte man sie mit Hunden aus den Höfen, wenn sie Flugzettel verteilten. Wer sich seinerzeit zur Sozialdemokratie bekannte, musste Mut und Opferbereitschaft zeigen und aufbringen. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges ging es trotz vieler Verfolgungen und Rückschläge aufwärts.

 

1914


Während des Krieges trat ein Stillstand ein, denn die Parteimitglieder mussten ins Feld ziehen. Die so genannten „Vaterlandslosen Gesellen“ stürmten also für das Vaterland, und der ärmste Sohn des Volkes, war sein treuster. Nach dem Ersten Weltkrieg gruppierten sich wieder einige Mitglieder zu einem Ortsverein – neue kamen hinzu – und so kam es, dass erstmals Sozialdemokraten ins Arzberger Stadtparlament einzogen. Die Vertrauensmänner des Ortsvereins wollten schon immer Verantwortung übernehmen und kommunale Aufbauarbeit leisten. Vor 1919 jedoch durften nur Männer wählen, die das Bürgerrecht besaßen. Der weit überwiegende Teil der Arbeiter konnte sich das nicht erkaufen und besaß deshalb nicht das aktive und passive Wahlrecht.

 

1919


Bei der Gemeindewahl 1919 – die Partei war damals, wie fast überall in Deutschland, vom Kriege her in Mehrheitssozialdemokraten und Unabhängige Sozialdemokraten getrennt – erhielten die USPD 10, die MSPD 3, die Volkspartei 2 und die Bürgerliste 5 Sitze.

 

1925


Bürgermeister wurde Zuckerwarenfabrikant Christof Frank von der Bürgerlichen Liste. Ihn unterstützte die MSPD, die den von der USPD aufgestellten Bürgermeisterkandidaten Georg Brunner ablehnte. Christof Frank trat kurz nach seiner Wahl zurück. Die Geschäfte führte 2. Bürgermeister Josef Keilberth, der nach der Wiedervereinigung der beiden sozialdemokratischen Parteien 1925 bis 1932 als Bürgermeister tätig war. Als 2. Bürgermeister wurde Karl Reiß, ebenfalls SPD, gewählt. Das Amt des Fraktionsvorsitzenden hatte Hans Münchmeier inne, Stellvertreter war Hilmar Heinritz. Nach dem Zusammenschluss der MSPD und der USPD bekamen die Sozialdemokraten bei der Wahl nicht mehr 13, sondern 10 von 20 Mandaten. Unter sozialdemokratischer Führung konnten beachtliche kommunalpolitische Leistungen vollbracht werden. Arzberg erhielt in den zwanziger Jahren das Gepräge einer Stadt. Es wurde viel bewegt! Umfangreiche Straßenpflasterungen wurden durchgeführt – vom Olatsberg bis zum Bahnhof, stadteigene Wohnungen auf dem Klingelbrunnen, in der Zimmermann-, Bauverein- und Bauernfeindstraße gebaut, das Schulhaus und Krankenhaus erweitert und noch manches andere Bauwerk geschaffen. Vor allem junge Arbeiter traten in den SPD-Ortsverein ein. Das Wort „Sektion“ wurde nicht mehr verwendet. Zu den Mitgliedern des SPD-Ortsvereins gehörten damals auch Kirchenrat und Ehrenbürger Matthias Simon und der verstorbene Verwaltungsrat August Müller, Ehrenbürger unserer Stadt, sowie Schulrat a. D. Philipp Schmitt.

 

1933


Die Machtergreifung der NSDAP setzte dann die Tätigkeit des Ortsvereines und der SPD im Stadtrat ein Ende. Die Spitzenfunktionäre wurden vorübergehend inhaftiert. Noch zur Reichstagswahl am 5. März 1933 hatte die SPD auf einem Plakat vor dem Alten Rathaus verkündet: „WER HITLER WÄHLT, WÄHLT DEN KRIEG!“ Viel Schlimmes und Schlimmstes, das unsägliches Leid brachte, wäre uns in unserem Vaterland erspart geblieben, wenn man auf die Sozialdemokraten gehört hätte.

 

1945


Nach dem Zusammenbruch 1945 erfolgte die Wiedergründung des SPD-Ortsvereins Arzberg mit Karl Reiß als Vorsitzendem, der später von Johann Dötsch abgelöst wurde. Initiator war Karl Drechsel, der den SPD-Ortsverein wieder ins Leben rief.

 

1951


1951 übertrug man Ewald Drechsel das Amt des Vorsitzenden. Die SPD stellte 1945 die kommissarischen Bürgermeister Karl Häring und Robert Juffa. 1947 wählte das Stadtparlament den Sozialdemokraten Karl Reiß zum Staatoberhaupt, der bis 1952 amtierte. Am 31. März 1951 führten wir eine große Mitgliederehrung mit Waldemar von Knoeringen als Redner durch. Von 1952 bis 1956 stand Fabrikant Carl Schumann (Liste der Rechtspartei) an der Spitze der Stadt.

 

1956


Ab 1956 hatte Arzberg wieder einen SPD-Bürgermeister. Ewald Drechsel wurde zum Bürgermeister gewählt. Von diesem Zeitpunkt an hatten die Sozialdemokraten auch wieder die absolute Mehrheit im Stadtrat, mit Johann Dötsch als 2. Bürgermeister und Georg Sattler als Fraktionsvorsitzendem. Von 1956 bis heute wurden unter sozialdemokratischer Führung und Opposition enorme Leistungen erzielt bzw. Arbeiten in Angriff genommen. Denken wir an den Ausbau und Neubau vieler Straßen und Wege mit Kanalisationsarbeiten, an die Mitfinanzierung zahlreicher Wohnhausbauten, an die Erweiterung der Wasserversorgungsanlagen durch Niederbringung des Tiefbohrbrunnens in Oschwitz, an den Umbau des Krankenhauses, an die Errichtung eines zweiten Schultraktes mit Dreifachturnhalle, an die Gesamtkanalisation mit Schaffung der Kläranlage, die Errichtung eines beheizten Freibades mit Freizeitanlage, die Skiabfahrt mit Skilift für Winter und Sommerbetrieb, die Loipe, die Erschließung von Baugelände (Ludelberg), die Errichtung von Kinderspielplätzen, sowie beträchtliche Anschaffungen für kommunale Einrichtungen. Die kommunale Arbeit ist die spezielle politische Aufgabe eines Ortsvereins. Wir haben uns immer bemüht, auf diesem Gebiet Optimales zu leisten. So kamen auch immer wieder hochgestellte Politiker in unsere Stadt, um Lob und Anerkennung auszusprechen. Zur 50-Jahrfeier besuchte uns der seinerzeitige Ministerpräsident Dr. Wilhelm Hoegner. Einige Jahre später war der damalige Parteivorsitzende Erich Ollenhauer Gast bei uns. Nach ihm sahen wir in unserem Ortsverein namhafte Politiker wie die ehemaligen Bundesminister Hans Matthöfer und Dr. Dieter Haack, Dr. Heinz Kreutzmann, seinerzeit Parlamentarischer Staatssekretär, und nicht zuletzt Bruno Friedrich, ehemaliger Vizepräsident des Europäischen Parlaments

 

1960


Landtagsabgeordneter und Bürgermeister Ewald Drechsel erhielt am 27. März 1960 bei der Bürgermeisterwahl in Arzberg 83,52% der Stimmen. Damit bekam er bei seiner ersten Wiederwahl einen enormen Vertrauensbeweis durch die Arzberger Bürgerinnen und Bürger.

 

1970


Joachim Wiederock übernahm den Vorsitz des SPD-Ortsvereins.

 

1978


1978 wurde das Amt des Vorsitzenden unseres Ortsvereins Rudolf Landgraf übertragen. Er hielt dieses Amt bis 1990 inne. Es bildete sich auch eine Gruppe junger Sozialdemokraten, die in rühriger Beweglichkeit die Aufgaben und Arbeiten im Ortsverein verantwortungsbewusst mit übernommen haben.

 

1981


Der SPD-Ortsverein Arzberg feierte sein 75. Jubiläum. Die Arzberger Jusos zeigten unter ihrem Vorsitzenden Hans Frank eine rege Tätigkeit. Neben Wahlkampfhilfe, setzen sich die Jusos in Arzberg auch immer wieder für wohltätige Sammlungen ein. Natürlich wurden auch aktuelle politische Themen der damaligen Zeit diskutiert und Informations- und Diskussionsabende abgehalten. Der Vorstand bestand aus: Vorsitzendem Hans Frank, 2. Vorsitzendem Roland Brunner, Kassier Stefan Göcking und Schriftführer Günther Frank.

 

1983


Im Mai 1983 wurde Hans Frank, Vorsitzender der Arzberger Jusos, zum neuen Unterbezirksvorsitzenden der Jusos gewählt. Im gleichen Jahr organisierte er ein Rockfestival „Rock gegen Rechts“.

 

1984


Georg Kilian wurde zum 1. Bürgermeister gewählt. Er löste damit Ewald Drechsel ab, der dieses Amt seit seiner Erstwahl 1956 für 28 Jahre bekleidet hatte. Kilian wurde mit 60,8% der Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat Reinhard Strößenreuther (CSU) musste sich mit 30,2% geschlagen geben.

 

1986


Der SPD-Ortsverein feierte sein 80. Jubiläum. Festredner ist Karl-Heinz Hirsemann, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bayerischen Landtag.

 

1990


Werner Popp trat die Nachfolge von Rudolf Landgraf als Vorsitzender unseres Ortsvereins an. Landgraf hatte das Amt seit 1978 inne.

 

1991


Unter Bürgermeister Georg Kilian wurde 1991 das Pilotprojekt eines so genannten „Wertstoffhöfchens“ in die Realität umgesetzt. Dieses von der Umweltgruppe der Arzberger SPD in Zusammenarbeit mit Landrat Dr. Peter Seißer begründete Testprojekt, sollte, wie wir heute alle wissen, richtungweisend für die ganze Region werden. Aus dem dreijährigen Demoprojekt eines „Wertstöffhöfchens“ entstanden flächendeckend im Landkreis Wertstoffhöfe, die heutzutage nicht mehr wegzudenken sind. Diese Initiative der Arzberger Sozialdemokraten beweist unser Umweltbewusstsein und unser verantwortungsvolles Handeln zum Schutz der Umwelt.

 

1996


Bernd Fürbringer wurde als Nachfolger von Werner Popp zum Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins gewählt. 2. Vorsitzender wird Stefan Göcking. Als Schriftführer fungierte Werner Zangmeister (2. Bürgermeister seit 1994), als dessen Stellvertreterin Hildegard Merkel. Kassier wurde Thomas Göcking und sein Stellvertreter Stefan Klaubert.

 

2000


Stefan Göcking stellte sich als Kandidat zur Wahl des Bürgermeisters gegen den amtierenden Bürgermeister Winfried Geppert (CSU) und erzielte einen Achtungserfolg.

 

2001


Stefan Göcking übernahm das Amt des Vorsitzenden von Bernd Fürbringer. Sein Stellvertreter wurde Stefan Klaubert. Der Internetauftritt des SPD-Ortsverein wurde ins Leben gerufen.

 

2006


Die Vereinsfahne wurde restauriert. Stefan Göcking wurde am 22. Oktober 2006 mit 63,58% zum neuen Bürgermeister gewählt. Damit stellt die SPD nach 12 Jahren wieder den Bürgermeister der Stadt Arzberg. Sein Gegenkandidat Günther Marth (CSU) musste sich mit 36,42% geschlagen geben. Im November 2006 rücken Peter Gräf und Stefan Klaubert in den Stadtrat nach.

 

2007


Stefan Klaubert wurde am 9. März 2007 zum Vorsitzenden des Ortsvereins gewählt. Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender Stefan Klaubert, 2. Vorsitzender Peter Gräf, 3. Vorsitzende Christl Schemm, Kassier Manfred Pfeiffer, stellv. Kassier Holger Hummer, Schriftführer Werner Zangmeister, stellv. Schriftführer Friedemann Krewin. Die beiden Ortsvereine Arzberg und Röthenbach fusionierten am 1. Juni 2007 und treten in Zukunft als gemeinsamer SPD-Ortsverein Arzberg auf. Der Ortsverein feiert am 6. Juli 2007 sein 100. Jubiläum mit der Ausstellung „Einigkeit macht stark“ im Foyer des Arzberger Rathauses und einem Festzug vom Rathaus zur Bergbräu, wo der Festakt begangen wird. Festredner ist Florian Pronold, der stellv. Vorsitzende der Bayern-SPD und Vorsitzende der SPD-Landesgruppe im Deutschen Bundestag.

 

2012


Stefan Göcking wurde am 21. Oktober 2012 mit 77% als Erster Bürgermeister der Stadt Arzberg im Amt bestätigt. Sein Gegenkandidat Karl Röhrig (CSU) musste sich mit 23% geschlagen geben.

 

2014


Bei der Kommunalwahl am 16. März 2014 verliert die SPD-Fraktion im Arzberger Stadtrat leider einen Sitz. Die neuen bzw. wiedergewählten Ratsmitglieder sind Stefan Klaubert, Peter Gräf, Paul Göths, Fritz Schmidt, Kristina Martin, Stephan Elbel und Manfred Pfeiffer.