Die Bürger machen ihrem Unmut über Geruchsbelästigungen bei einer SPD-Diskussion Luft. Schweinestallbesitzer Ehler Hugo sagt, er sehe keine Lösung.
Arzberg - Die Geruchsbelästigung durch die Schweinemastanlage der Familie Hugo im Arzberger Ortsteil Röthenbach und der dadurch hervorgerufene Unmut in Teilen der Bevölkerung waren Anlass für die Arzberger SPD-Stadtratsfraktion, zu einem Bürgergespräch einzuladen. Als Versammlungsort hatte die SPD den Röthenbacher Dorfteich gewählt.
Und um den, nicht um den Gestank, ging es zunächst. Einige Teilnehmer waren mit dem Ort der Diskussion nicht zufrieden. "Man kommt sich hier vor wie am Pranger", war die Meinung einer Teilnehmerin. Das Problem löste sich dann durch den einsetzenden Regen von selbst. Die Bürgerversammlung wurde im nahen Feuerwehrhaus fortgesetzt, wo es für die rund 40 Leute sehr eng wurde.
Die SPD-Fraktion, so deren Sprecher Peter Gräf, wolle vor Ort gemeinsam mit dem Betreiber des Schweinestalls und der Bevölkerung Lösungen suchen, um die Interessen der Betroffenen zusammenzubringen. Das direkte Gespräch, so Gräf, sei die bessere Form, sich auszutauschen, als die Zeitung. Damit zielte der Fraktionssprecher auf einen Bericht in der Frankenpost ab und auf Leserbriefe, deren Verfasser sich kritisch über die Schweinmastanlage und die davon ausgehenden Geruchsemissionen äußerten.
Inversionswetterlage
Dritter Bürgermeister Stefan Klaubert übernahm die Funktion des Diskussionsleiters. Er griff immer wieder lenkend ein, wenn die Aussprache auszuufern drohte. Ihm ging es zunächst darum, festzustellen, seit wann, wo und bei welchen Wetterverhältnissen die Geruchsbelästigungen auftraten.
Intensiv, so wurde festgestellt, sei der Gestank seit Anfang Juli, und zwar ab dem Zeitpunkt, ab dem der Stall mit 780 Tieren voll belegt war und die Temperaturen die 30-Grad-Marke erreicht hatten. Die Örtlichkeiten, die Uhrzeit und die Länge der Geruchsbelästigung seien dabei sehr verschieden.
Stallbesitzer Ehler Hugo schrieb dies der relativen Windstille und der Inversionswetterlage zu. Die Stallabluft habe etwa 30 Grad während die Luft über dem Stall sicher an die 45 Grad erreiche. Deshalb könne die Abluft nicht aufsteigen. Für ihn sei es wichtig zu wissen, wie oft die Geruchsbelästigung auftrete, sagte Hugo. Wenn dies nur an drei bis fünf Tagen im Jahr der Fall sei, würde dies für ihn noch im Toleranzbereich liegen. Sollte es öfter vorkommen, müsse man sich Gedanken machen. Den Röthenbachern bot Hugo an, ihn anzurufen, wenn sie eine starke Belästigung bemerkten. Das Fichtelgebirge, sagte der Landwirt, habe mit Schweinezucht bislang nicht viel zu tun gehabt. In anderen Regionen würde man den Stall anders bewerten.
Mit dieser Aussage wollten sich die Versammlungsteilnehmer nicht zufriedengeben. Sie wollten sich bei schönem Wetter in den Garten oder auf den Balkon setzen, nachts die Fenster aufmachen und ihre Wäsche im Freien aufhängen. Viele Röthenbacher hätten in den vergangenen Jahren gebaut. Die Häuser seien jetzt praktisch wertlos, denn niemand kaufe ein Haus neben einer Schweinemastanlage.
Thomas Hecht stellte fest, es sei nun genau dies eingetroffen, was Gutachten über den Gestank vorausgesagt hätten. Im Übrigen sei bekannt, dass in Röthenbach an rund 100 Tagen im Jahr Inversionswetterlage herrsche. "Wenn es bereits jetzt so stinkt, wie wird es dann sein, wenn, wie geplant, einmal die doppelte Menge an Schweinen vorhanden ist?", fragte Hecht und forderte den Einbau einer Filteranlage. Und er rief die Betroffenen dazu auf, bei jeder Geruchsbelästigung die Polizei anzurufen, um sie aktenkundig zu machen.
Eine ähnliche Meinung vertrat Konrad Dittrich. Er sah wenig Sinn in einer Diskussion über Temperaturen, Windrichtung und Wetterlage. Dies alles seien Faktoren, die man nicht beeinflussen könne.
Bürgermeister Stefan Göcking wandte sich gegen die Aussage, der Stadtrat hätte den Schweinestall verhindern können. Hier sei nach geltendem Baurecht beschlossen worden. "Hätten wir den Antrag abgelehnt, wäre er vom Landratsamt durchgesetzt worden." Arzberg habe schon jetzt den Ruf, bei Bauanfragen sei immer irgendwer dagegen. Zu dieser Meinung trügen auch bestimmte Leserbriefe in der Zeitung bei, sagte Göcking.
Gegen weiteren Ausbau
Als bedenklich bezeichnete Göcking den weiteren Ausbau der Stallanlage. Wenn es schon jetzt Probleme mit dem Geruch gebe, dann würden diese mit Sicherheit noch zunehmen, und der Protest werde stärker werden, sagte er. "Was wollen Sie dann machen?", fragte der Bürgermeister Ehler Hugo. "Ich weiß nicht, was ich dann mache", antwortete der Landwirt. "Ich habe noch keine Lösung im Ärmel." Er wolle sich aber auch nicht wegen dreier Wochen extremen Wetters in eine bestimmte Richtung treiben lassen. Ein Filtereinbau sei ist auf dem bestehenden Gebäude nicht umzusetzen. Dem widersprach Thomas Hecht. Eine Nachrüstung sei heutzutage Stand der Technik, und die Kosten würden nach seinen Informationen rund einen Euro pro Schwein betragen.
Text-Quelle: www.frankenpost.de
von Wolfgang Lindner