Das tschechisch-deutsche Projekt zur ökologischen Wasser-Touristik nimmt konkrete Formen an. Viele umweltfreundliche Attraktionen sollen künftig mehr Besucher anlocken.
Arzberg - "Wir sind im Herzen alles Europäer, und die nächste Generation wird davon profitieren, dass wir die Grundsteine legen." Arzbergs Bürgermeister Stefan Göcking sprach gestern von einem weiteren Mosaiksteinchen in den vielen Beziehungen zu Tschechien, nachdem das Projekt "Tschechisch-Deutsche ökologische Wasser-Touristik" ein Stück vorangekommen ist. "Wir leben das ein Stück weit vor, wie es sein sollte", spielte Göcking darauf an, dass man im Kleinen längst mehr erreicht habe als in der großen Politik.
Der Stellvertreter des Präsidenten für Regionalentwicklung, Verkehr und Straßenwirtschaft, Petr Navrátil aus dem tschechischen Karlsbad, war am Donnerstag ebenso bei der Tagung im Arzberger Rathaus vertreten wie zahlreiche Repräsentanten der Brücken-Allianz Bayern-Böhmen, Martin Motlík, tschechischer Spezialist für Fördermittel, oder Erich Haussel von der Regierung von Oberfranken, Abteilung Wasserwirtschaft. Ihnen allen liegt eines am Herzen: das grenzübergreifende Projekt der ökologischen Wasser-Touristik schnell voranzutreiben, damit beide Seiten durch zunehmenden Tourismus davon profitieren können. Dass man schon jetzt einiges zu bieten hat, zeigt die Tourismus-Statistik, die in der Region Karlsbad und Fichtelgebirge immerhin 5 328 942 Übernachtungen pro Jahr auflistet. Jetzt wollen Tschechen und Deutsche noch mehr Attraktionen für Touristen schaffen, zum Teil auf sanfte Art und Weise, mit Rücksicht auf die Natur.
"Große Fortschritte macht die Rekonstruktion des Wehrs Tuhnice", teilte Martin Motlík im Gespräch mit der Frankenpost nach der Tagung mit. 580 000 Euro würden hier investiert, die Hälfte davon sei schon verbaut. Bis September soll diese touristische Attraktion fertig sein. Das Wehr sei ein Teil des grenzüberschreitenden Projekts, "bei dem sich die Brücken-Allianz Bayern-Böhmen als Juniorpartner der Tschechen versteht", sagte Stefan Göcking.
Was Deutsche und Tschechen künftig vereinen soll, ist ein ausgetüfteltes Konzept, das Touristen zu den Naturschönheiten entlang der Eger führt. Göcking und Motlík legten die Pläne vor, die momentan noch auf Papier reifen und die bis Ende nächsten Jahres umgesetzt würden. Was vor allem auch jüngere Touristen in die Grenzregion locken könnte, sei das Angebot zum Kanufahren auf der Eger. "Leider können wir keinen Bootsverleih anbieten wie in Tschechien. Bei uns sind die Belange des Naturschutzes höher angesiedelt", meinte Göcking. Auf bayerischer Seite gebe es daher einen sanfteren Tourismus. Es sei jedoch jedem gestattet, mit seinem Kanu auch auf deutscher Seite gen Osten zu paddeln. Derzeit würden entlang der Eger Campingplätze und die Durchgängigkeit auf der kleinen Wasserstraße geprüft.
Der Kanu-Sport solle unbedingt mit anderen sportlichen Aktivitäten verknüpft werden. So rückte die Arbeitsgemeinschaft das Wandern in den Fokus, das kulturelle wie historische Denkmäler zum Ziel haben solle. Die Lehrpfade sollten auch die geologische Vielfalt, interessante Vogelgebiete oder Museen miteinbeziehen. Damit sich die Touristen künftig besser orientieren können, würden alle Radwege dies- und jenseits der Grenze in dem Programm mit aufgenommen und detailliert aufgeführt, damit jeder weiß, ob ein Weg beispielsweise auch inliner-tauglich sei. In der ökologischen Wasser-Touristik werden auch Segel- und Surfmöglichkeiten integriert, Schwimmbäder aufgenommen und Routen für Rollstuhlfahrer.
Im Herbst sollen alle Bausteine für das Projekt mit den zuständigen Behörden geprüft und im Oktober das Ergebnis präsentiert werden.
Text-Quelle: www.frankenpost.de